Im Interview

Im Interview: Hanna, Auszubildende für Marketing-Kommunikation
Agentur echtgut markeninszenierung, Newsletter Juni 2021


Wie war das bei dir in der Schule? Fühltest du dich gut vorbereitet auf das „Leben da draußen“? Wer war dein Ansprechpartner in Sachen beruflicher Orientierung?

Ich muss sagen schulisch gesehen, sah ich mich nicht super vorbereitet auf das Leben. Ich bin sehr früh, mit 18 Jahren, in eine eigene Wohnung gezogen und meine Mutter meinte immer „Versuch immer als erstes deine Dinge selbst zu regeln, bevor du uns fragst“. So habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass es nicht so einfach ist Anträge auszufüllen oder sich um Versicherungen zu kümmern.
Da ich mein Fachabitur in Wirtschaft gemacht habe, muss ich aber sagen, dass ich kaufmännisch gesehen, sehr gut auf die Berufsschule vorbereitet wurde und ich dadurch einen Vorteil hatte.
Meine Ansprechpartner waren vor allem meine Familie. Egal ob durch einfache Unterstützung oder durch aktive Hilfe, konnte ich darauf vertrauen, dass ich einen starken Rückhalt habe. Aber auch in der Schule haben wir besonders im Abschlussjahr oft die Möglichkeiten bekommen, verschiedene Ausbildungsberufe und Unternehmen kennen zu lernen. Solche Treffen und Informationstage haben mich immer näher an den Bereich Marketing gebracht.  

Wie bist du auf Jobsuche gegangen? Worauf achtest du bei der Auswahl des Unternehmens?
Ganz klar so wie es wohl alle machen: Erst im Netz geschaut! Da habe ich auch einen relativ guten Einblick in diesen Ausbildungsberuf bekommen können.
Dadurch, dass mein Vater auch im Marketingbereich tätig ist, hat er mir ein paar Agenturen im Saarland empfohlen und nach genauer Recherche wusste ich, dass ich zu der Agentur echtgut in Saarbrücken möchte. Jedoch hatte die Agentur zu diesem Zeitpunkt den Ausbildungsplatz noch nicht ausgeschrieben. Gott sei Dank hatte ich echtgut aber direkt auf Instagram abonniert und habe jeden Tag nachgeschaut ob sie zufällig die Stelle ausgeschrieben haben. Und tatsächlich, stand da plötzlich „Ausbildung zur Kauffrau für Marketingkommunikation“. Dann habe ich mich natürlich direkt beworben und hier bin ich!
Ich persönlich würde bei einem Unternehmen immer auch auf Social Media schauen. Natürlich habe ich hier in der Marketingbranche großes Glück, da fast jede Agentur auf Social Media aktiv ist, das ist natürlich nicht überall der Fall.  Auf Social Media hat man aber immer die Chance intimer in das Unternehmen zu blicken. Sind die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen zufrieden oder wie ist das Klima. Das sind meiner Meinung nach Dinge die man den Menschen auch über Instagramposts gut ansehen kann.

Was sind drei Benefits, die dir einfach wichtig sind beim Arbeitgeber?
Wie oben schon erwähnt ist für mich das Arbeitsklima sehr wichtig. Wie ist das Team? Kann ich mich hier gut einfinden?
Somit würde ich sagen, dass eins der wichtigen Benefits, unabhängig davon was das Unternehmen macht, die Herzlichkeit ist. Es ist immer schön, wenn man in einem Team schnell einen Platz findet und merkt, dass man Willkommen ist.
Des Weiteren sollte man in seiner Ausbildung auch wirklich fachspezifische Dinge lernen. Ich finde die Zeiten in der man sagt „Ausbildungsjahre sind keine Herrenjahre“ sind vorbei. Es ist ganz natürlich, dass man manchmal auch Aufgaben bekommt die einem nicht so viel Spaß machen aber grundsätzlich sollte ein Unternehmen immer versuchen der Auszubildende/ dem Auszubildenden möglichst viel mitzugeben.
Aber auch der Arbeitsplatz ist für mich von hoher Bedeutung. Dieser Punkt mag vielleicht in der ersten Sekunde nicht unbedingt eine so große Rolle spielen, doch ich merke immer wieder wenn ich morgens an meinen Schreibtisch komme, wie viel besser man sich fühlt wenn man sich an seinem Arbeitsplatz wohlfühlt. Natürlich ist es so, wenn man eine Ausbildung in der Industrie macht, dass man nicht den Blumentopf in die Werkstatt stellen kann um es sich gemütlicher zu machen. Nichts desto trotz sollte man sich zum einen wohlfühlen aber zum anderen sollte der Ausbildungsbetrieb dir den Arbeitsplatz ermöglichen, den du zum perfekten Arbeiten benötigst.
Auch hier habe ich bei all meinen Punkten sehr, sehr großes Glück gehabt. Ich bin super herzlich von all meinen Kolleginnen und Kollegen empfangen worden und das Arbeitsklima ist der Hammer. Das wünsche ich jedem der sich dazu entscheidet eine Ausbildung zu machen.

Was wäre für dich ein „No-Go“ in Betrieb und Ausbildung?
Ein No-Go wäre für mich, wenn ich merken würde, dass ich ausgenutzt werde. Auch wenn klassisch gesehen, der/ die Azubi/-ne eher im „unteren Teil der Reihenfolge“ kommt, kann man umgekehrt von jungen Menschen doch auch viel lernen. Wenn Unternehmen hier versuchen junge Menschen auszunutzen oder ihnen Aufgaben geben, die nicht zu ihrer Ausbildung gehören, ist das für mich ein großes No-Go. Umso schöner und reifer finde ich, dass dieses Hierarchien- Denken in den meisten Betrieben der Vergangenheit angehört.

Was wünschst du dir von einem Netzwerk am Übergang Schule-Beruf wie SCHULEWIRTSCHAFT?
Ich kann sagen, dass ich mich immer sehr gut aufgehoben gefühlt habe. Egal ob durch Berufsberatung oder durch Thementage an denen man in unterschiedliche Unternehmen Einblick bekommen hat.  Genau das finde ich aber auch sehr wichtig. Bevor ich gemerkt habe, dass ich gerne in die Marketingbranche möchte, waren die unterschiedlichsten Ausbildungen und Studiengänge dabei. Von Designerin bis hin zu meinem letzten Berufswunsch der Rechtsmedizin. Deswegen finde ich es so wichtig, solche Angebote Schülerinnen und Schüler zu ermöglichen und sie zu begleiten. Wenn ich diese Unterstützung familiär und durch Organisationen wie Schule-Wirtschaft nicht gehabt hätte, würde ich heute nicht meine Traum- Ausbildung machen.


Heute stellen wir Ihnen unsere Landesvorsitzenden Kerstin Steffen und Nils Grützner vor. Wir zeigen, was sie bewegt und wofür sie brennen im Rahmen unserer SCHULEWIRTSCHAFT-Arbeit.

Nils, seit 2012 bist du im Saarpfalz-Kreis für SCHULEWIRTSCHAFT aktiv. Was sind deine Kernideen zur Weiterentwicklung und Stärkung unseres Netzwerks?

NG: Ja, das ist ja schon eine lange Zeit, es macht einfach Freude Unternehmen und Schulen zusammenzubringen. Ausgehend von unseren Netzwerken in allen Landkreisen, den Jahrestagungen, dem Berufswahlsiegel und unseren vielen weiteren Workshops, ist die Berufliche Orientierung mein Steckenpferd. Hier Schüler rechtzeitig auf den Übergang zwischen Schule und Beruf vorzubereiten, sie zu stärken und sie mit frühzeitigen Begegnungen zwischen Wirtschaft und Schule in ihren Entscheidungen zu bestärken. Das ist der Antrieb für diese Arbeit.

Kerstin, du bist stark im Thema Markenbildung und Digitalisierung unterwegs. In welche Richtung können wir, deiner Meinung nach wachsen?

KS: Wie du weißt, schlägt mein Herz nicht nur für Markenbildung und Digitalisierung, sondern auch für Kommunikation. Der perfekte Dreiklang also, den ich gerne bei SCHULEWIRTSCHAFT einbringe. Jedes Netzwerk ist bunt und baut auf den unterschiedlichen Aufgaben und Persönlichkeiten seiner Teilnehmer*innen auf. Diese Vielfalt und diese Facetten möchte ich gerne sichtbar machen. Wir haben großartige Projekte und sehr engagierte Arbeitskreise. Beides gilt es sichtbar zu machen und damit Impulse zu liefern.

Hinzu kommt, dass sich im Zuge der digitalen Transformation auch insbesondere die Kommunikation verändert hat. Sie wird immer schneller und es gibt mehr und vielfältigere Kanäle, insbesondere im Bereich Social Media. Für unser Netzwerk ist das nicht nur eine große Chance sicherbar zu werden, sondern auch in den gezielten Dialog mit unseren Zielgruppen zu treten.

Was sind für euch die größten Benefits der gemeinsamen Netzwerkarbeit und wie können Schulen und Unternehmen noch stärker aktiv werden und profitieren?

KS: Die größten Benefits sind sicherlich die Diversität unseres Netzwerks und das Engagement und der Wille, etwas bewegen zu wollen. Neben den regulären Netzwerktreffen haben wir in diesem Jahr viele neue Formate geplant. Ich kann nur empfehlen, diesen Chancen positiv zu begegnen und offen für Neues zu sein. Diese Formate wollen wir natürlich auch nutzen, um Erfolge und Best-Practices sichtbar zu machen. Gleichzeitig wollen wir Impulse geben, die dazu ermutigen sollen, auch mal neue Wege zu gehen.

Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, sich auf den neuen Social Media-Kanälen von SCHULEWIRTSCHAFT Saarland digital zu vernetzen. Nicht nur eine tolle Möglichkeit, das eigene Netzwerk zu erweitern – man bekommt News aus dem Netzwerk sowie viele Empfehlungen kurz und kompakt on top.

NG: Den Übergang von Schule ins Berufsleben erleben alle Jugendliche als ein entscheidender und herausfordernder Schritt in ihrem Leben. Ein gut geflochtenes Netzwerk zwischen Schule und Betrieb kann hier Ängste vor der Entscheidung abbauen und diesen Schritt vorbereiten. Hierfür ist es so wichtig, dass sich die entsprechenden Ansprechpartner zwischen Schule und Betrieb kennen, austauschen und regelmäßig begegnen, um so die Jugendlichen gemeinsam auf diesem Weg zu begleiten.

Was sind aktuell die größten Herausforderungen im Hinblick auf zeitgemäßes Lehren und Lernen und was die Chancen (z.B. für den Bereich Berufliche Orientierung und Digitalisierung)?

NG: Wenn Schüler für ihr Leben lernen, so lernen sie auf die Zukunft gerichtet, ohne zu wissen, was diese für sie bereithält. Zentral ist also, dass sie die Grundlagen der Kompetenzen des 21 Jahrhunderts lernen. Diese beschränkt sich immer weniger auf reines Fachwissen. Wichtig wird sein, neue Informationen aufzunehmen, zu bearbeiten und einzuordnen. Diese Informationen zielgerichtet und adressatengerecht zu kommunizieren, sowie die Informationen zu hinterfragen. Wichtig ist die Zusammenarbeit mit Kollegen in den verschiedenen Strukturen, Wissen zu teilen, dieses Wissen sich gegenseitig zur Verfügung zu stellen und gemeinsam die Herausforderungen zu meistern, ist - denke ich - eine Grundvoraussetzung für eine gelungene Berufstätigkeit im 21. Jahrhundert. Die Digitalisierung kann uns hierbei Stütze und Werkzeug sein, sie ist aber niemals Selbstzweck.

KS: Ich kann Nils nur zustimmen. Fertigkeiten und Kompetenzen während unseres gesamten Lebens weiterzuentwickeln, halte ich für sehr wichtig. Lebenslanges Lernen ist aber nicht nur wichtig, um uns persönlich entfalten und aktiv an der Gesellschaft teilhaben zu können, sondern auch zur Erhaltung unserer Beschäftigungsfähigkeit in einer im ständigen Wandel befindlichen Arbeitswelt.

Darüber hinaus bin ich ein großer Fan des informellen Lernens. Beim informellen Lernen wird im Unterschied zum formellen Lernen nicht zu einem bestimmten Zeitpunkt ein vorher definierter Inhalt gelernt, sondern der Lerner erhält eine Information genau in dem Moment, wenn er sie benötigt. Diese Form des Lernens in den Schulunterricht zu integrieren, stellt sicherlich noch viele vor Herausforderungen. Die Digitalisierung kann hier eine große Chance sein, denn sie ermöglicht, dass Lernen immer häufiger außerhalb formeller Lernumgebungen stattfinden kann.

Was könnt ihr uns abschließend mitgeben an Impulsen und Ideen für die gemeinsame SCHULEWIRTSCHAFT-Agenda 2021?

NG: Das Jahr 2021 beginnt, wie das alte geendet hat, mit dem alles beherrschenden Geschehen rund um COVID 19. Es wird unsere Herausforderung, die daraus erwachsenden Chancen zu nutzen und Jugendliche, Schulen, Betriebe und Eltern für die veränderten Bedingungen fit zu machen. Seid gespannt, was uns dazu alles einfällt. Am besten bleibt ihr auf dem Laufenden, indem ihr uns folgt. Ich bin froh, dass wir mit Twitter und LinkedIN nun zwei Soziale Netzwerke in unserem Portfolio haben, mit denen wir Sie wöchentlich auf dem neusten Stand halten können.

KS: Genau, nix wie los und folgt uns in den sozialen Netzwerken. Bei all den Vorteilen der Digitalisierung soll aber natürlich auch das Netzwerken und der persönliche Austausch 2021 nicht zu kurz kommen. Corona zwingt uns hier natürlich auch zum Um- und Neudenken. Unser Ziel ist, die regulären und bewährten Treffen auf jeden Fall digital oder hybrid stattfinden zu lassen. Darüber hinaus haben wir erstmalig ein Barcamp geplant, bei dem wir die Kompetenzen unserer Netzwerke gewinnbringend zusammenbringen möchten. Ansonsten kann ich mich Nils nur anschließen – lasst euch überraschen!


Was braucht zeitgemäßer Distanzunterricht?
Aus dem Blog von Nele Hirsch, eBildungslabor

„Hallo Nele Hirsch und vielen Dank, dass Sie uns heute einen Blick in Ihre aktuellen Themen als Bildungswissenschaftlerin geben. Gerade habe ich gelesen, dass 14 Menschen pro Sekunde sich einen neuen Social-Media-Account erstellen. Mit SCHULEWIRTSCHAFT sind wir nun auch auf Twitter und LinkedIN unterwegs. Wie nutzen Sie die Kanäle und welchen Mehrwert sehen Sie für Ihre Arbeit?  

Ich nutze vor allem Twitter. Toll finde ich hier die Vernetzung mit Pädagoginnen und Pädagogen aus unterschiedlichen Bildungsbereichen und auch mit Kolleginnen und Kollegen, die in anderen Bereichen arbeiten. Das sorgt für sehr viele Perspektiven und immer wieder neue Inspirationen. Und ich mag es auch sehr, eigene Überlegungen, Ideen und Erfahrungen zu teilen und Feedback dazu zu bekommen. Oft haben sich darüber auch schon gemeinsame Projekte ergeben.

Mit der Pandemie und durch Social Distancing hat sich das Leben und die Erwartungshaltung vieler Menschen verändert. Wie hat sich Ihrer Meinung nach Schule verändert?

Viele Schulen standen von heute auf morgen vor der Herausforderung ihre Unterrichtsmodelle in Präsenzform so umzugestalten, dass auch Lehren und Lernen aus der Ferne möglich ist. Da mein Fokus auf Lernen und Lehren in einer Kultur der Digitalität liegt, habe ich mit mich unter anderem mit der Frage eines funktionierenden Distanzunterrichts auseinandergesetzt.

Wir schauen heute auf Ihren Blogbeitrag zum Thema Distanzunterricht und fragen nach, wie so ein digitaler Unterricht gut gelingen kann. Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein und wie kann eine für beide Seiten erfolgreiche Umsetzung gelingen?

Viele großartige Schulen machen aktuell vor, wie sie mit existierender digitaler Infrastruktur und einem technisch-affinen Kollegium wunderbaren Distanzunterricht gestalten. Es geht aus meiner Sicht aber weniger um die existierende Technik und die technische Affinität der Lehrenden, sondern vielmehr die in diesen Schulen gelebte Praxis von Beziehung, Vertrauen, Kollaboration, Offenheit und Freiraum.

Könnten Sie uns erklären, was Sie unter diesen Kategorien verstehen und wie sie zusammengedacht werden können für Lehrende und Lernende

Mit Beziehung ist gemeint, dass Lehrerinnen und Lehrer Interesse an ihren Schülerinnen und Schülern haben, ihre Entwicklung gerne und mit Freude begleiten und möchten, dass es ihnen gut geht. Solche Lehrkräfte suchen jetzt im Distanzunterricht den Kontakt zu ihrer Schülerschaft, fragen nach, wie es ihnen geht und geben persönliches Feedback.

Vertrauen beinhaltet, dass zwischen Lehrern und Schülern eine vertrauensvolle Beziehung besteht. Dazu gehört ein respektvoller Umgang miteinander. Ebenso gehört dazu, dass Lehrer den Schülern zutrauen und vor diesem Hintergrund nicht auf ständige Kontrolle setzen, sondern z.B. projektorientierte Lerngebote gestalten. Auf der anderen Seite gehört dazu, dass Schüler dieses Vertrauen wertschätzen und gelernt haben, damit umzugehen. Guter Distanzunterricht ist dann möglich, wenn bereits zuvor in vertrauensvollen Umgang investiert und das Lernen auf dieser Basis eingeübt wurde.

Mit Offenheit ist gemeint, dass Schule als Organisation und die darin beteiligten Akteure bereit sind, sich auf neue Situationen einzulassen und diese aktiv zu gestalten. Konkret auf die Corona-Situation übersetzt, bedeutet das: „Wir befinden uns in einer Pandemie. Was kann und was sollte unsere Schule in dieser Situation leisten?“ Schulen, die sich auf diese Frage einlassen und versuchen Lösungen und neue Ideen zu entwickeln, sind oft die Schulen, die schon zuvor z.B. darüber nachgedacht haben, was Lernen in einer Kultur der Digitalität bedeutet, wie sich Bildung verändern muss oder wie Lehren in sehr heterogenen Lerngruppen gelingen kann.

Der Begriff Kollaboration steht dafür, dass Herausforderungen an der Schule kollaborativ angegangen werden und Lehrerinnen und Lehrer sich als Teamplayer verstehen. Außerdem gehört dazu, dass Schüler über ihre Schule mitbestimmen und mitentscheiden und Eltern ebenfalls einbezogen sind und mitgestalten können. Darüber hinaus bedeutet Kollaboration auch, den Austausch mit anderen Schulen und außerschulischen Akteuren zu suchen. An Schulen, an denen es eine solche kollaborative Praxis gibt, ist es selbstverständlich, dass auch die Herausforderungen des Distanzunterrichts kollaborativ angegangen und gemeinsam nach Lösungen gesucht wird. Und wenn viele Menschen gemeinsam denken, entstehen klügere Lösungen, als wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht.

Mit Freiraum ist gemeint, dass Schulen für sich Wege und Möglichkeiten gefunden haben, um Zeit zu haben für gute Bildung, die nicht durch enge Fächerkorsette, 45-Minuten-Takt und starre Klassenstruktur dominiert wird. Und, die damit verbunden, den Mut hatten, diese traditionelle Struktur zu überwinden. Zusammen mit der Komponente des Vertrauens sind durch diesen entwickelten Freiraum auch jetzt im Distanzunterricht übergreifende und oft projektorientierte Aufgabenstellungen und Lernangebote möglich.

Was bedeutet das für die aktuelle Situation?

Wenn ich die aktuelle Situation beobachte (sowohl als eine im #twitterlehrerzimmer vernetzte Pädagogin, die zahlreiche Lehrkräfte-Fortbildungen gibt, als auch als Mutter mit zwei Kindern im Distanzunterricht), dann finde ich insbesondere spannend, dass der Distanzunterricht wie durch ein Mikroskop überdeutlich sichtbar werden lässt, wenn es an den genannten Aspekten an einer Schule fehlt. Deshalb führt eine bessere technische Ausstattung aus meiner Sicht auch nicht automatisch zu besserem Distanzunterricht. Das ist natürlich kein Plädoyer dafür, dass die technische Infrastruktur unwichtig ist. Zeitgemäß wird Bildung aus meiner Sicht aber nur mit und nicht durch diese sehr erwünschte Technik. Grundlegend ist die dargestellte veränderte Haltung.

Die spannende Frage ist also: Wie schafft man es, dass Vertrauen, Beziehung, Offenheit, Kollaboration und Freiraum zur neuen Normalität an allen Schulen werden?

Ich habe dazu viele Ideen und Wünsche. Beispielsweise könnten in offiziellen Lehrkräfte-Fortbildungen Meta-Kompetenzen wie Selbstlernen, Kollaboration und Vernetzung einen deutlich größeren Stellenwert erhalten als eine direkte Vermittlung von oft technischen Kompetenzen.

Es braucht noch viel mehr Räume für Austausch und Vernetzung an Schulen und zwischen Schulen sowie mit außerschulischen Partnern. Toll fände ich vor allem auch eine Art Patenschaftsprogramm/“Entwicklungshilfe“ zwischen Schulen, die sich bereits auf den Weg gemacht haben und Schulen, die noch ganz am Anfang stehen.

Solange Lehrkräfte in Hinblick auf den Aspekt des Freiraums von politischer Seite eher Knüppel zwischen die Beine geworfen bekommen, als Unterstützung zu erhalten und vor allem, solange die zeitlichen Möglichkeiten weit hinter dem zurückbleiben, was nötig wäre, ist es oft nur dem außerordentlichen Engagement von sehr vielen Lehrkräften zu verdanken, wenn gute Bildung stattfindet. Das Ziel muss hier sein, dass Lehrkräfte gute Bildung gestalten können, ohne dabei massiv Überstunden zu machen.

Weitere Beiträge von Nele Hirsch über:

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